Ausgebuchter Dampfsonderzug
Der Vormittagszug des RODGAU_EXPRESS startete pünktlich um 10:05 Uhr im Südbahnhof mit weiterem Zusteigehalt in Offenbach Hbf. Ab hier war der 7-Wagenzug bis auf den letzten Platz ausverkauft. In Ober-Roden gab es dann zur Freunde aller Eisenbahnfansi bei fast blauem Himmel (s. Fotos w.u.) und einem leichten frühlingshaften Lüftchen die angekündigte Scheinanfahrt. In Dieburg verzögerte ein verspäteter schwerer Güterzug unsere Weiterfahrt, so dass der Fotohalt in Kranichstein leider ausfallen musste. In Langen und Neu-Isenburg entfielen auf Grund unserer Verspätung die Überholungen. Damit waren wir wieder im Plan und erreichten den Südbahnhof 20 Sekunden vor der Zeit.
Glück im Unglück - Sicherheit geht vor
Der Wind frischte in Frankfurt bei Abfahrt der Nachmittagsfahrt um 13:05 Uhr merklich auf. Auch dieser Zug ist ab Offenbach fast ausgebucht. Bei Ankunft in Ober-Roden herrschte zunächst noch Eitelsonnenschein. Kurze Zeit später hatte Okantief Xynthia auch den Rodgau erreicht und entwurzelte zwei Bäume in Bahnhofsnähe, die Beschilderung auf dem Bahnsteig drohte abzureißen.
Dann überstürzten sich die Ereignisse. Beim Fahrdienstleiter in Offenbach gingen im Minutentakt die Störungsmeldungen ein.
14:00 Uhr: Scheineinfahrt entfällt wegen vorrangiger Abarbeitung der Störungsmeldungen;
Einstellung Schienenverkehr im Saarland und Rheinland-Pfalz,
14:30 Uhr: Totalsperrung unserer weiteren Fahrtstrecke zwischen Dieburg und Kranichstein wegen umgestürzter Bäume im Gleisprofil,
14:35 Uhr: Weiterfahrt des Zuges auf unbestimmte Zeit verschoben,
15:00 Uhr: Sperrung Frankfurt Hbf und Fernbahnhof Flughafen,
15:05 Uhr: Sperrung Bahnstrecke der Main-Weser-Bahn bei Bad Vilbel und der Taunusstrecke zwischen Idstein und Limburg, Sperrung weiterer Strecken in Hessen, oberirdische U-Bahnlinien und zwei Straßenbahnlinien in Frankfurt z.T. unterbrochen, der Orkan wird erheblich stärker,
15:10 Uhr: Lautsprecherdurchsage "Mit Verspätungen im S-Bahnverkehr im Rhein-Main-Gebiet von 30 Minuten und mehr und Zugausfällen muss gerechnet werden";
Die
S1 hat in der Gegenrichtung ab Wiesbaden bereits bis zu 90 Minuten Verspätung, noch aber fährt die S1 aber ab Ober-Roden planmäßig,
15:15 Uhr: Keine neuen Informationen über die Weiterfahrt des Sonderzuges. Die Reiseleitung der HE schlägt den Reisenden vor, zu ihrer eigenen Sicherheit, insbesondere der vielen Kinder, und damit noch ein gesicherter Heimweg noch möglich ist, die abfahrbereite S1 zur Rückfahrt nach Offenbach und Frankfurt zu nutzen. Davon machen fast alle Reisenden Gebrauch.
16:00 Uhr: Auf Drängen der HE (irgendwann geht der Lok das Wasser aus!) wird Genehmigung durch die Betriebsleitung erteilt, den Zug kurzfristig auf dem gleichen Weg wie bei der Hinfahrt
nach Frankfurt Süd zurück zu führen. Lok 52 4867 konnte nach Ankunft der S-Bahn
in Oberroden und Räumung des Gleises 1 den Zug umfahren und sofort danach aus Gleis 2 abfahren. Die wenigen restlichen Fahrgäste nahmen diese Fahrtmöglichkeit in Anspruch.
Nur kurze Zeit später wird die Strecke um
Offenbach-Bieber bis zum folgenden Montag Mittag wegen umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitung in beiden Richtungen gesperrt. Unser Zug und mit ihm die rund 250 Fahrgäste hätten in Ober-Roden wahrscheinlich über Nacht festgesessen. Ein gesicherter Nachhauseweg wäre unter den extremen Verhältnissen nicht mehr möglich gewesen.
Verständnisvolle Fahrgäste - "Höhere Gewalt" beendigt den Sonderzug leider vorzeitig
Der Vorstand der Historischen Eisenbahn dankt allen seinen Fahrgästen für das Verständnis und die besonnene Reaktion in diesem extremen Ausnahmezustand. Es liegt juristisch gesehen der Tatbestand "Höhere Gewalt" vor. Der vorzeitige Abbruch der Fahrt ist für die Fahrgäste und uns zwar äußerst bedauerlich, aber, wie es sich im Nachhinein herausgestellt hat, es war die einzig richtige Entscheidung gewesen. Wir hoffen, dass sie alle unversehrt wieder nach Hause gekommen sind.