aktualisiert: 16. Mai 2008

 

Nachlese 2008

Teil 6

Impressionen vom Bahnhofsfest in Königstein (Ts)
am 11. und 12. Mai: MIT VOLLDAMPF IN DEN TAUNUS

von Königstein gibt es ein schönes Video von Michael Witter

Fotos: Adreas Haupt, Merlin Becker, Wilfried Staub, Michael Witter, Nahverkehrsforum Frankfurt (s. Signatur)

Das schrieb die Presse

Königsteiner Woche:

Giganten der Schiene erobern die Herzen der Königsteiner

Königstein (el) – Nichts lässt die Herzen der Freunde schnaufender Dampfrösser höher schlagen, als wenn eine Lok im Dunstkreis ihrer eigenen Rauchschwaden zischend in den Bahnhof einfährt. Leider, und das bedauern die Mitglieder des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt zutiefst, hat sich die Deutsche Bahn Ende der 70er-Jahre „das Rauchen abgewöhnt“. Also beschlossen die Eisenbahnnostalgiker, sich dem Erhalt dieses deutschen Kulturguts zu widmen und riefen unter anderem 1981 das Königsteiner Bahnhofsfest ins Leben, das auch diese Pfingsten wieder zum Treffpunkt für Jung und Alt am Königsteiner Bahnhof wurde. Eine Museumsbahn in Frankfurt am Main, historisch wertvolle Eisenbahnmaterialien, vor allem Dampflokomotiven, als technische Kulturdenkmäler betriebsfähig zu erhalten – das hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben und stellte dies auch am Pfingstsonntag und -montag zur Schau.

Im Laufe der Jahre hat sich das Fest mehr und mehr zum Ereignis für die ganze Familie gewandelt und man hat sich beim Veranstalter entsprechend darauf eingerichtet. Man konnte getreu dem Motto „Mit Volldampf in den Taunus“ auf der Strecke der Königsteiner Bahn nach einem Sonderfahrplan im Stundentakt in historische Züge einsteigen, die zwischen Frankfurt-Höchst und Königstein verkehrt. Auch mit dabei: die „01 118“ – die einzige Dampflok ihrer Baureihe, die seit ihrem Baujahr 1934 ununterbrochen betriebsfähig ist und noch zu Museumsfahrten auf öffentlichen Strecken gefahren wird. Am Bahnhof Königstein gab es auch die Möglichkeit zu Mitfahrten auf dem Führerstand der Köf 4293.

Doch auch sonst wurde jede Menge Nostalgisches rund um die Eisenbahnerromantik angeboten; eine historische Straßenbahn war ebenso ausgestellt wie Schaffnermützen und Kellen, die zwar nicht mehr im Einsatz sind, dafür aber wertvoll für Sammler. Und bevor es entlang des gegenüberliegenden Gleises mit der Draisine weiterging, konnten die Kinder erst mal einige Runden mit dem Ponyexpress drehen – für sie hatte der Veranstalter Ponyreiten angeboten. Und auch sonst wandelte sich der sonst so nüchterne Bahnhof zu einem Ort der Kommunikation. An Tischen und Bänken fand man ins Gespräch miteinander und das bei Würstchen vom Grill und kühlen Getränken und sommerlichen Temperaturen.


Eisenbahnerromantik pur: eine Fahrt mit der Dräsine.

 

Taunus Zeitung, Königstein:

Von Mini bis Maxi unter Volldampf

Von Harald Konopatzki

Königstein. Das laute Stampfen lässt den Boden am Bahnhof erbeben, dichter Rauch steigt zischend aus den Tendern auf. Kurz zucken die Kinder zusammen und verharren staunend, als die Pfeife gellend ankündigt, dass sich die große alte Lok in Bewegung setzt.

Beim Königsteiner Bahnhofsfest am Pfingstwochenende kamen große und kleine Besucher voll auf ihre Kosten. Von den kleinen Modellen, die in Kinderzimmern und in Hobbykellern ihre Runden drehen, bis zu den liebevoll instand gehaltenen Originalen waren alle Dinge vertreten, die die Herzen der Bahnfans höher schlagen lassen. Dazu wurden Sonderfahrten über Kelkheim nach Höchst mit historischen Bahnen angeboten – abwechselnd mal unter Dampf und mal mit alten Diesel-Schienenbussen.

Die regulär verkehrende Taunusbahn wirkte mit ihrem neuen Triebwagen neben ihren Urahnen fast futuristisch. Doch auch wenn zahlreiche Verkaufsstände alles für große und kleine Bahn-Liebhaber anboten und der Fahrgastverband „Pro Bahn“ über seine Arbeit und die aktuellen Fahrpläne im Regelverkehr informierte, drehte sich nicht alles um Tendergrößen und Kesselvolumen. Für alle, die sich nicht so sehr für den Schienenverkehr begeistern konnten, ihre Lieben aber zum Fest begleiteten, war ebenfalls vorgesorgt. Pony-Reiten, Livemusik, und Eiscreme ließen Volksfeststimmung aufkommen. Ergänzt wurde das Angebot um kühle Getränke und heiße Speisen vom Grill.

Vor allem die vielen jungen Familien fielen auf, die den Weg zum Bahnhof gefunden hatten. „Das Fest hat sich in den letzten Jahren zum Familienfest gewandelt“, freut sich Wilfried Staub, Pressesprecher der Historischen Eisenbahn Frankfurt. Entsprechend groß war das Angebot für die Kinder. Die Kleinsten konnten im Mini-Zug den Schienen im Karussell folgen oder mit den Papa oder Mama auf einer Kleinbahn neben den normalen Gleisen ein paar Meter mitfahren.

Die jüngsten Mitglieder der Königsteiner Familie Silakov, die Brüder Alexander und Andreas, waren das erste mal auf dem Bahnhofsfest und kamen aus dem Staunen über die großen zischenden und stampfenden Maschinen nicht heraus. Mit großen Augen wurden die Räder und der Führerstand bewundert. Wie fern die Zeit der Dampfriesen mittlerweile ist, zeigte sich aber auch – einen echten Heizer beim Kohle-Schippen hatten auch viele Erwachsene noch nie gesehen.

Natürlich kamen auch die älteren Eisenbahnfans zahlreich. Sie knipsten und fachsimpelten engagiert über jedes Detail der kleinen und großen Züge. Die Besucherzahlen der diesjährigen Auflage sind für den Eisenbahnfreund Staub erfreulich. „Rund 6000 Fahrgäste an zwei Tagen und nach Hochrechnung der verkauften Würstchen über 10 000 Besucher insgesamt.“ Der Verein, der dieses Jahr sein 30. Jubiläum feiert, steckt den Erlös der Veranstaltung direkt in seine Bemühungen um den Erhalt der alten Bahnen, damit diese auch zukünftig noch rollen können.

Mittlerweile ist in den alten Bundesländern eine ganze Generation ohne die Dampfloks aufgewachsen – 1977 hatte die Bundesbahn werbewirksam beschlossen, ihren Zügen endgültig das Rauchen abzugewöhnen. Kurze Zeit später waren die letzten Dampfloks außer Dienst gestellt. Es kam zu einer Vielzahl von Vereinsgründungen, deren gemeinsames Ziel es nach wie vor ist, die Bahnen vor dem Verfall zu bewahren.

Wer mehr von den dampfenden Riesen sehen will, kann vom 22. bis 25. Mai auf den „9. Kranichsteiner Bahnwelttagen“ in Darmstadt rund 20 fahrbereite Dampfrösser in Aktion erleben. Informationen gibt es auf der Homepage http://www.museumsbahn.de. Dort wird auch der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt wieder vertreten sein. Infos und Termine zu den Sonderfahrten, unter anderem mit der historischen Hafenbahn am Main entlang, finden sich auf der Homepage http://www.frankfurt-historischeeisenbahn.de.

Das Herz und die Freizeit gehören den Schienen-Schätzen

 
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Noch jemand ohne Fahrschein?

Königstein. Das Bahnhofsfest ist aus den Terminplänen der Eisenbahnfreunde Frankfurt nicht mehr wegzudenken. Längst ist die Veranstaltung, die zum 27. Mal in Königstein stattfand eine der wichtigsten für den Verein, der sich dem Erhalt und der Pflege der historischen Verkehrsmittel widmet.

Rein ehrenamtlich finden sich Jahr für Jahr rund 30 Helfer, die für die Sicherheit auf den Königsteiner Schienen sorgen und aufpassen, dass beim Rangieren niemand zu Schaden kommt. Auch für Schaffner, Heizer und Lokomotivführer ist das Engagement ein HobbyZu Pfingsten konnten so unter anderem die „Schnellzuglok 01 118“ von 1934 und die „Güter Dampflok 52 4867“ aus dem Jahr 1943 ihre imposante Leistung zeigen. 177 und 133 Tonnen wiegen die Maschinen, wenn sie mit Betriebsmitteln (Wasser und Kohle) beladen sind. Allein die 01 118 kann dabei zehn Tonnen Kohle fassen, die sie braucht, wenn sie längere Zeit mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde vorwärts fährt. Rückwärts erreicht das Dampfross immerhin stolze 80, wenn es auf freier Strecke unterwegs ist.

Unterstützt wurden die Frankfurter auch in diesem Jahr von Freunden vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, das unter anderem mit einer imposanten „G 8“ von 1913 vertreten war. Die Bahn, die einst für die „Königlich-Preußische und Großherzöglich-Hessische Staatseisenbahn“ unterwegs war, sieht immer noch aus, als könnte sie im regulären Fahrdienst mithalten. Auch das Frankfurter Straßenbahnmuseum stellte mit einen Oldtimer-Omnibus ein wertvolles Exponat zur Verfügung. (hko)

Höchster Kreisblatt, Höchst:

Mit Volldampf in den Taunus


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Abfahrt um 14.26 Uhr. Bitte einsteigen! Zwei Tage dampfte die Schnellzuglok mehrmals täglich von Höchst nach Königstein, wo Bahnhofsfest gefeiert wurde. Alt war allerdings nur die Lok, hinter sich her zog die „01 118“ drei knallrote Wagen aus den 90-er Jahren.
Foto: Rainer Rüffer

Ganz leise ist in der Ferne der erste Pfiff zu hören. Jeden Moment kann es passieren. Die wenigen Minuten, bis die schwarze Lok hinter der Kurve vor dem Höchster Bahnhof auftaucht, werden länger und länger. Sie kommt. Kameraauslöser surren. Dann herrscht auf „dem Bahnsteig gegenüber“ wieder Stille. Die Augen folgen jedoch weiter der wuchtigen Schnellzuglok und ihren drei Wagen. Langsam kommt die „01 118“ zum Stehen. Sofort ist sie umschwärmt von Kindern und Erwachsenen. „Mit Volldampf in den Taunus“ – unter diesem Motto pendelte die Historische Eisenbahn zwei Tage lang von Höchst zum Bahnhofsfest in Königstein.

Schon als Siebenjähriger war Karl-Heinz Sulzbach von Eisenbahn fasziniert. In diesem Jahr wird er Sechzig – und die Faszination ist geblieben. „Früher waren es vor allem die Dampfloks. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass die heutigen Fahrzeuge ja in dreißig Jahren auch historischen Wert haben.“ Wenn die alte Schnellzuglok, 1934 bei Krupp in Essen gebaut, mit knallroten Wagen im 90er-Jahre-Design unterwegs ist, reizt ihn das eigentlich nicht so sehr. Doch er wohnt in Höchst, und einen Abstecher ist die Dampfbahn allemal wert.

Derartig Feinheiten sind den meisten Besuchern an diesem Tag recht egal. Hauptsache, es dampft und qualmt. So sehen es Jannis (8) und Moritz (9) aus Neu-Anspach, die gerade vom Führerstand der Lok klettern. In der Hand hält jeder ein Stück Kohle. „Die lege ich mir als Andenken ins Regal“, sagt Moritz. Ganz schön heiß sei es oben „neben dem Ofen“, sagt Jannis. Beide sind fasziniert. „Weil die ja sonst nicht mehr fahren“, sagt Moritz. Der Ausflug nach Königstein an Pfingsten gehört für ihn zum jährlichen Pflichtprogramm.


Ein paar Meter weiter schaut Jutta Müller, wo ihre Kinder sind. Bei der Lok natürlich. Die ist gerade majestätisch auf dem Nebengleis ans andere Zugende gerollt. „Wir sind mit einer Gruppe hier, mit 21 Personen“, erzählt Jutta Müller. Die ganze Familie. „Weihnachtsgeschenke haben wir abgeschafft. Stattdessen treffen wir uns einmal im Jahr irgendwo.“ Per Auto und Bahn sind sie von Langenselbold und Bad Homburg nach Höchst gekommen, um sich einen schönen Tag zu machen. „Die Kinder sind zwischen zwei und dreizehn Jahre alt. Man muss etwas finden, wovon alle etwas haben.“ Selbst Lea (2), die Jüngste, schaut mit ihrem geblümten Sonnenmützchen aus dem offenen Zugfenster auf das puffende Ungetüm.

Nur Norbert Urbanczyk steht etwas abseits. Am Ende des Bahnhofs lehnt er gemütlich an einem Betonpfeiler. Er genießt sichtlich den Blick auf die alte Dampflok im Look der alten Reichsbahn, lauscht den Schlägern der Luftpumpe und dem Fauchen des Rauchs, der aus dem Schornstein quillt. „Die modernen Lokomotiven sind nicht mein Ding. Höchstens noch ein paar alte Diesel- und Elektro-Loks.“ Dann ertönt ein heller Pfiff. Video-Kamera im Anschlag, das Dampfross setzt sich in Bewegung. Ein leichter, überraschend kühler Nieselregen vermischt mit Ruß fällt auf die kleine Gruppe, als die „01“ vorbeischnauft. (hau)

 

Sehen Sie ein gelungenes Video von der G 8 bei der Einfahrt in den Bahnhof Königstein

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